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Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie, die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie sowie der Bundesverband Geriatrie betonen den besonderen Schutzbedarf hochaltriger Patienten in der Corona-Pandemie.

Nachdem Hochbetagte als erste geimpft wurden, verringert sich die Mortalität bei den über 80-Jährigen mittlerweile. Doch nicht alle hochaltrigen Personen betrifft dieser erfreuliche Verlauf gleichermaßen. „Um den Erfolg der Kampagne zu sichern, ist der niedrigschwellige Zugang zur Impfung essenziell“, unterstreicht Professor Hans Jürgen Heppner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Zu diesem Zweck könnten nach Ansicht der drei Verbände DGG, Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) sowie des Bundesverbands Geriatrie (BV Geriatrie) auch altersmedizinische Einrichtungen eingebunden werden. Dies erst recht, nachdem mit der Freigabe des Impfstoffs von Johnson & Johnson (J&J) durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) nun ein Vakzin verfügbar ist, das nur einmal verabreicht werden muss.

Kaum im Fokus: Impfung außerhalb von Seniorenheimen

Geriatrische Patienten sind durch Multimorbidität sowie Gebrechlichkeit charakterisiert, die zumeist mit Immobilität einhergehen. Gerade sie sind von schwer verlaufenden COVID-19-Erkrankungen besonders betroffen. Als Bewohner von Alten- und Pflegeheimen genießen sie deshalb bei der Impfreihenfolge Priorität. Zu dieser Gruppe können aber auch Patientinnen und Patienten gehören, die sich im Rahmen einer geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung im Krankenhaus (Geri-Komplex) oder in einer geriatrischen Rehabilitation befinden. Sie werden derzeit oft „beurlaubt“, um ihren Termin in einem Impfzentrum wahrzunehmen. Dies ist sehr aufwendig und für die geriatrischen Patienten äußerst anstrengend. Zudem birgt der daraus resultierende zeitweilige Aufenthalt außerhalb der Einrichtung das Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren und dies nach der Rückkehr in die Einrichtung mitzubringen.

Hier sehen die drei Verbände erheblichen Verbesserungsbedarf. Ihre Anregung: auch während der Geri-Komplex im Krankenhaus oder im Rahmen der geriatrischen Rehabilitation zu impfen. So, wie hier verschiedene Therapeuten unterschiedliche rehabilitative Maßnahmen anwenden, ließe sich ebenfalls eine Vakzination durchführen. „Patienten, die etwa in einer geriatrischen Rehabilitation ihre Therapie erhalten, sind zumeist auch fit für eine Impfung“, meint Prof. Dr. Helmut Frohnhofen von der DGGG. „Deshalb könnte man ihre Anwesenheit in einer geriatrischen Einrichtung zu diesem Zweck nutzen.“ Da mit einer einzigen Dosis des Impfstoffs von J&J eine wirksame Immunisierung erzielt wird, werden zudem Probleme bei der Organisation des zweiten Impftermins hinfällig. Durch die intensive ärztliche Betreuung durch einen Altersmediziner können überdies bestehende Vorerkrankungen, die möglicherweise eine Kontraindikation darstellen, sachgerecht erfasst und bewertet werden.

Geriatrische Einrichtungen beteiligen

Doch unabhängig von solchen Einzelfragen sind sich die Verbände einig, dass bei der Vakzination geriatrischer Patientinnen und Patienten durch die Einbindung der Geriatrien eine sinnvolle Unterstützung der Impfkampagne erreicht werden kann. „Die Geriatrie kann auch im Bereich der Corona-Schutzimpfungen ein wirkungsvoller Teil der Strategie zur sachgerechten medizinischen Versorgung der Betagten und Hochbetagten sein,“, sagt Dr. Michael Musolf, MBA, Vorstandsvorsitzender des BV Geriatrie. In jedem Fall sollte berücksichtigt werden, dass geriatrische Krankenhäuser und Rehaeinrichtungen ähnlich wie Alten- und Pflegeheime bei den Impfungen hochaltriger Menschen unterstützen können.