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Mitgliederbefragung des Verbandes belegt starke Einschränkungen von Stationen und Einrichtungen während des Pandemiegeschehens

Was zunächst nur eine Beobachtung war, ist nun eindeutig belegt: Die Mehrheit der geriatrischen Stationen und Einrichtungen war in ihrer Arbeit durch das Pandemiegeschehen stark eingeschränkt. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundesverbands Geriatrie unter der Leitung von Dr. Stefan Grund (Oberarzt der Abteilung für Akutgeriatrie am Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg), deren Ergebnisse am vergangenen Freitag im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht worden sind. (https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=219250)  

„Mit Recht haben Wissenschaft und Politik zu Beginn der Corona-Pandemie Betagte und Hochbetagte aufgrund ihrer Vulnerabilität und Frailty als Hochrisikogruppe eingestuft, deren Versorgung einen besonders hohen Stellwert hat“, betont Dirk van den Heuvel, Geschäftsführer des Bundesverbandes Geriatrie. „Ob als eigene Versorgungseinheit oder als Basis für hochqualifiziertes Personal: Die Geriatrie wird dieser besonderen Verantwortung gerecht – sofern man sie lässt.“

Reduzierte Kapazitäten

Stattdessen kam es im Lauf der Pandemie zu erheblichen Einschränkungen. Dies betraf auch andere Bereiche, hatte aber in der Geriatrie dramatische Folgen: Betten oder Plätze wurden ausgegliedert, mussten hygienebedingt freibleiben oder konnten nicht belegt werden – für drei bis sechs Monate oder sogar noch länger. Gleichzeitig trat Personalmangel bei den Pflegekräften auf, sei es durch deren eigene Erkrankung oder durch den personellen Mehrbedarf auf anderen Stationen. Versorgungspolitisch sei van den Heuvel zufolge kritisch zu hinterfragen, ob in vereinzelten Teilbereichen der Geriatrie Ausgleichszahlungen eventuell Fehlanreize geschaffen haben, Betten nicht zu betreiben oder nach Schließung nicht sofort wieder geriatriespezifisch zu belegen.

Und obwohl geriatrische Patientinnen und Patienten nach einer überstandenen COVID-19-Infektion ein spezielles rehabilitatives Angebot benötigen, weisen bisher nur sehr wenige der befragten Einrichtungen ein entsprechendes Konzept auf. Zudem erhielten nur fünf Prozent nach der Versorgung im Krankenhaus nach ihrer Entlassung eine geriatrische Rehabilitation. Da wundert es nicht, dass über 40 Prozent der Befragten pessimistisch sind, was die Perspektiven der Geriatrie betrifft.

Geriatrien von der Last der Pandemie befreien

„Stärker als bisher muss die Politik die versorgungspolitische Bedeutung der Geriatrie zur Kenntnis nehmen“, so van den Heuvels Resümee. Um ihren Aufgaben besser gerecht werden zu können, seien sowohl Akut-Einrichtungen als auch Rehabilitation von der Last der Pandemie stärker zu befreien. Gleiches gelte für die berufspolitische Wahrnehmung der in der Geriatrie eingesetzten Ärzte, Pflegenden und Therapeuten, deren Bedeutung in der praktischen Pandemiebekämpfung viel zu wenig Würdigung erfahren habe.

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